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Website „Jülich hilft“ entsteht

Es ist längst keine Neuigkeit mehr: Nicht vereinzelt erreichen Flüchtlinge Jülich, sondern in – unvorhersehbarer – großer Zahl. Doris Vogel, Leiterin des Jülicher Sozialamtes, steht mit ihrem Team täglich vor neuen Herausforderungen: Unterkünfte organisieren, für erste Ausstattung mit Handtuch, Bettwäsche, Geschirr, Einrichtungsgegenständen und Kleidung sorgen. Zur Erstausstattung gehören selbstverständlich weder Fernseher noch Smartphone. Solche Gerüchte treiben Doris Vogel die Zornesröte ins Gesicht. Gerade am „Smartphone“ reibt sich gerne die Volksseele auf. Oft, erklärt sie, ist dieses „Allround-Gerät“ eines der wenigen Dinge, die die Flüchtlinge mitnehmen. Der Grund: Es ist ihre Verbindung zu den Zurückgebliebenen in der Heimat, die Möglichkeit, sich vor Ort zu orientieren und Hilfe zu suchen.

Ebenso erzürnt Doris Vogel das Gerede darüber, dass Mietern Wohnungen gekündigt wurden, um dort Flüchtlinge unterzubringen. Fakt ist, dass die Stadt aus privater Hand oder Unternehmen 60 Wohnungen und Unterkünfte angemietet hat und immer noch auf der Suche nach weiteren „Bleiben“ ist.

In diesem Monat wurden Jülich bereits 70 Menschen aus Krisengebieten zugewiesen, die aufgenommen und angemeldet werden müssen. Ein Ende ist nicht absehbar. Nach Stand Montag, 19. Oktober, waren insgesamt 444 Flüchtlinge bereits in der Kernstadt und auf den Dörfern angekommen.

Das Thema „Flüchtlinge“ ist eine Mammutaufgabe, und trotzdem müssen die „Standardarbeit“ des Sozialamtes sowie die Grundsicherung weiter bearbeitet werden: „Wir versuchen durch enorme Mehrarbeit auch hier alles zeitnah zu erledigen“, betont Doris Vogel. Dabei soll der soziale Friede innerhalb der Jülicher Bevölkerung und der Flüchtlinge untereinander selbstverständlich erhalten bleiben. Exakt eine Sozialarbeiterin für die Flüchtlingsarbeit und ein „Bufdi“ sind speziell für die Zusatz-Aufgabe „Flüchtlinge“ da. Zwei weitere Vollzeitstellen für Sozialarbeiter sind derzeit ausgeschrieben. Wann Dienstantritt sein könnte, ist unklar. Aus Personalmangel rückt die Amtsleiterin abends um 21.30 Uhr auch schon mal selbst aus, um im Krisenfall für Ordnung zu sorgen.

Das gute soziale Netzwerk in Jülich von fairkauf, Möbel und mehr, Kleine Hände, Arbeitskreis Asyl und Jülicher Tafel ist eine große Hilfe, aber auch die Ehrenamtlichen sind inzwischen am Ende ihrer Lager- und Leistungsfähigkeit angelangt. Aus dieser Erkenntnis heraus hat sich im Frühjahr erstmals eine Runde aus Vereinen und Institutionen, die mit dem Thema Flüchtlinge in Jülich befasst sind, Vertretern der Kirchen und der Stadtverwaltung getroffen. Ziel ist es, auf kurzem Weg anstehende Problemstellungen zu lösen, vom hohen Sachspendenaufkommen über gezielte Suche nach Sachleistungen, Unterstützung bei Sprachschwierigkeiten (Wer kann übersetzen…?).

Um einerseits eine Entlastung zu erreichen, andererseits Unterstützungswilligen – sei es durch Sach-, Geld- oder Zeitspende – die richtigen Ansprechpartner zu geben, wird aus diesem Kreis eine Website erarbeitet. „Das Rad wird hier nicht neu erfunden“, wie Simon Diercks, IT-Fachmann und Pfarrer der freien evangelischen Gemeinde erklärt. Er hat mit Karl Lohmer von der Freiwilligenvermittlung die Homepage „Jülich hilft“ nach bereits bestehenden Mustern entworfen – ehrenamtlich. In der jüngsten Sitzung der Runde wurde das Modell einhellig verabschiedet. Zunächst in drei Sprachen soll die Seite nutzbar sein. Die Finanzierung vom Ankauf der Domain und des Programms bis zu den Serverkosten ist durch eine Spende bereits gesichert. Geprüft wird jetzt, inwieweit die Stadt Jülich als „Träger“ die Seite in ihr Portfolio einbinden kann.

Hilfswillige werden daher gebeten, noch etwas Geduld zu haben. Fieberhaft arbeiten die Ehrenamtlichen derzeit die bereits zur Verfügung gestellten Sachspenden ab. Hierzu gibt es eine Bitte: Erst nachfragen, was gebraucht wird, um die spärlichen Lagerkapazitäten richtig nutzen zu können. Das gilt für Fahrräder, Kochgeschirr und Lampen gleichermaßen. Die Lager von „Möbel und mehr“ sind erschöpft. „Bei uns stehen in jedem Büro und sogar bis zu den Sanitärräumen Kisten und Säcke“, schildert Dr. Thomas Kreßner vom Träger Christliches Sozialwerk. Bis zur Türe stapeln sich im „fairkauf“ und bei den „Kleinen Händen“ die Kleiderspenden. Daher auch von dieser Seite die Bitte: Keine Sommersachen abgeben. Wer den Aktiven vor Ort die Arbeit erleichtern möchte, sollte die Kleidung gewaschen und soweit möglich sortiert verpacken und nach Größen und nach Geschlecht abgeben. Auch hier gilt: Bitte erst die Einrichtungen kontaktieren.

Hierzu bitte wenn möglich nicht anrufen, sondern per Mail Kontakt aufnehmen mit dvogel@juelich.de.

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