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Jülicher wollen sich für Flüchtlinge einsetzen

Fast bis auf den letzten Stehplatz besetzt war am gestrigen Montag die Stadthalle zur Informationsveranstaltung der Bezirksregierung Köln. Es ging um Fakten zur Erstaufnahmeeinrichtung für rund 1000 Flüchtlinge auf der Merscher Höhe, die am 1. Dezember bezogen wird. Nicht nur großes Interesse zeigten die Jülicher, sondern gleichzeitig eine große Bereitschaft, sich zu engagieren.

Als Einstieg sorgte Cengiz Yildirim als Vertreter der Bezirksregierung mit einer klaren Ansage für den ersten lautstarken Applaus: „Wir sind offen für alle Fragen. Keine Toleranz habe ich bei rechtsradikalen Äußerungen.“ Diese Art von Reaktionen meinte Bürgermeister Axel Fuchs, als er bei der Begrüßung formulierte, dass er sehr zufrieden sei mit dem Umgang miteinander – sowohl der Jülicher mit den inzwischen 550 angekommenen Flüchtlingen, als auch umgekehrt. Wie groß der Wunsch der Neuankömmlinge sei, sich aktiv in die Gemeinschaft einzubinden, zeige das Beispiel Welldorf. Hier lädt Ortsvorsteher Christian Klems morgens ab 7.30 Uhr ein, aktiv im Ort mitzuarbeiten, beispielsweise den Friedhof in Ordnung zu halten – und die Menschen kämen, sie würden zupacken für 1,05 € in der Stunde. Bei allem Verständnis für die Sorgen, die mit dem Zuzug der Flüchtlinge verbunden seien, forderte Fuchs: „Hören Sie nicht auf braune Stammtischparolen.“ Dafür gab es erneut Applaus und zeigte den Besuchern von „Bürger stehen auf“ aus Linnich, das hier kein Stück Boden für ihr Gedankengut zu gewinnen war. Via Internet hatte die Gruppierung angekündigt, die Informations-Veranstaltung „mit ihrem Unmut“ zu stören, verließen aber frühzeitig – ohne das Wort ergriffen zu haben – die Stadthalle.

Zu den Fakten:
Das Land NRW ist verpflichtet, 21 Prozent der Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen, unterzubringen. Konkret sind das jede Woche zwischen 15.000 und 20.000 Menschen. „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagt Wilhelm Steitz, stellvertretender Regierungspräsident. Zwar gelte es erst einmal, für ein Dach über dem Kopf, Nahrung und Kleidung zu sorgen, aber noch zu klären seien die Aufnahme der Flüchtlingskinder in Kindertagesstätten oder Schulen sowie die Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache. „Wenn wir diese Aufgabe bewältigt haben, wird diese Republik anders sein, das heißt nicht: schlechter.“

Der Vertrag über das Gelände auf der Merscher Höhe zwischen Stadt Jülich und Land NRW ist vorerst auf drei Jahre angelegt mit der Option auf eine zweijährige Verlängerung. Die Bezirksregierung wird fünf Vertreter vor Ort haben. Grundsätzlich hat die Betreuung der Jülicher Ortsverein des Deutschen Rote Kreuzes mit 50 Mitarbeitern. Unterstützt werden sie von Sicherheitskräften . Hier gilt der Personalschlüssel 1 : 100: Ein Sicherheitsbeamter je 100 Flüchtlinge. 24 Stunden rund um die Uhr werden immer 10 Beamte vor Ort sein zuzüglich drei Beamte an den Toren zur Einrichtung. Michael Bauermann, Vertreter des Landesamtes für zentrale polizeiliche Dienste legte Wert auf die Feststellung, dass ein Streifenwagen kein Grund zur Sorge sei. Es handele sich oft um normale Dienste und auch Kontaktaufnahmen zu den Flüchtlingen. Nach Auswertung der vergangenen Monaten hat es keinen Anstieg an Polizeieinsätzen in NRW gegeben, fügte er hinzu. Ausdrücklich betonte Bauermann: „Flüchtling ist kein Synonym für Kriminalität oder Terrorismus.“

Die ersten Flüchtlinge kommen ab dem 1. Dezember – natürlich nicht 1000 Menschen auf einmal. Die Zahl wird schrittweise erreicht werden. Nicht klar ist, welcher Nationalität oder Religion sie sein werden. Klar ist nur, dass sie nicht aus so genannten „sicheren Drittländern“ kommen. Menschen, die aus diesen Ländern geflohen sind, werden zentral in Bonn untergebracht.

Die Flüchtlinge, die in Jülich erst-aufgenommen werden, bleiben vermutlich rund einen Monat hier. Sie werden registriert, medizinisch untersucht und gegebenenfalls geimpft.

Sabine Günnel als Koordinatorin der DRK betonte, dass ihr Verband die Betreuung von Anfang an als Aufgabe gesehen habe. Installiert werden Unterkünfte in Leichtbauweise mit festen Wänden, Türen und Fenstern und Ölheizung. Maximal zu acht werden sich die Flüchtlinge einen Raum teilen. Dazu gibt es Gemeinschaftsräume von Kleiderkammer und Kinderzelt, Kantine, über Rückzugsräume bis zum Internet-Café und einem geplanten Fahrradverleih. Belebt werden sollen die Räume durch Kreativ- und Sportangebote, Sprachunterricht und Geselligkeit. Für alle Aktivitäten wünscht sich das DRK Unterstützung der Jülicher. Das gilt nicht nur für Angebote auf der Merscher Höhe, sondern auch für Begleitungen in die Stadt und zu Veranstaltungen.

Natürlich, so erklärt Steitz, könnten Menschen, die sich hier engagieren, keine Freundschaften fürs Leben schließen, aber für Flüchtlinge seien die ersten Tage und Wochen in einem neuen Land wichtig.

Geäußert wurden von den Jülichern die Wünsche, dass eine gute Verkehrs-Anbindung für Flüchtlinge in die Stadt ermöglicht wird und auch die Verkehrswege rund um die Einrichtung auf der Merscher Höhe verbessert werden. Vor allem die schlechte Beleuchtung der Wege wurde beklagt. Für Brauch- und Abwasser, informierte Steitz, würden außerdem neue Leitungen verlegt.

Die Frage nach Dolmetscher-Diensten konnte Sabine Günnel bereits positiv beantworten und ebenso bestätigen, dass bereits 24 Internet-Plätze vorgesehen sind, die für die Flüchtlinge den Kontakt zur Heimat bedeuten. Wichtig ist den Jülichern aber auch, dass die Flüchtlinge eine vernünftige Lebensgestaltung erhalten. Auch hier konnte Günnel die Menschen beruhigen: Einerseits hätten die Flüchtinge eine gewisse „Art von Alltag“ mit Haushaltsarbeiten und auch die Möglichkeit, sich als 1,05 Euro-Jobber einzubringen, frei nach der Aussage von Steitz: „Langeweile ist Folter.“

Wer sich aktiv einbringen möchte, der findet auf der Plattform des DRK JülichMöglichkeiten, sich gezielt für Geld-, Zeit- und Sachspenden einzutragen.

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